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August 2023. Ich saß in meinem Lieblingscafé, scrollte durch die Wettquoten und blieb bei einer Zahl hängen: Bayer Leverkusen wird Meister – Quote 15,00. Fünfzehn! Für ein Team, das in der Vorsaison auf Platz sechs gelandet war und gerade Xabi Alonso als Trainer hatte. Ich dachte eine Minute nach. Dann setzte ich 500 Euro. Fünfhundert verdammte Euro auf eine verrückte Idee.
Zehn Monate später stand Leverkusen tatsächlich als ungeschlagener Meister fest. Aus meinen 500 Euro wurden 7.500 Euro. Das war der beste Wett-Gewinn meines Lebens. Nicht wegen der Summe – obwohl die natürlich schön war. Sondern weil ich ein ganzes Jahr lang mitfiebern durfte. Jeden Spieltag hoffte ich. Jedes Tor von Wirtz war auch mein Tor. Jeder Punkt von Leverkusen brachte mich näher an den Jackpot.
Das ist der Charme von Langzeitwetten. Sie sind keine Sprint-Wetten, bei denen nach 90 Minuten alles vorbei ist. Sie sind Marathon-Wetten. Du setzt im Sommer, kassierst im Mai. Dazwischen liegen zehn Monate Nervenkitzel, Hoffnung, Verzweiflung und am Ende – wenn man Glück hat – ein fetter Gewinn.
Aber Langzeitwetten sind nicht nur romantischer Nervenkitzel. Sie sind auch mathematisch interessanter als normale Spieltagswetten. Warum? Weil die Buchmacher bei Langzeitwetten unsicherer sind. Sie müssen zehn Monate in die Zukunft schauen. Und je weiter die Zukunft, desto größer die Unsicherheit. Größere Unsicherheit bedeutet höhere Quoten. Höhere Quoten bedeuten mehr Value für kluge Wetter.
Warum Langzeitwetten oft profitabler sind

Fangen wir mit dem offensichtlichsten Vorteil an: die Wettsteuer. Bei normalen Spieltagswetten zahlt man für jede einzelne Wette fünf Prozent. 34 Spieltage, 34 Wetten, 34 Mal fünf Prozent Steuer. Das summiert sich zu einem ordentlichen Betrag, der einfach weg ist.
Bei Langzeitwetten zahlt man die Steuer nur einmal. Eine Wette im August, fünf Prozent Steuer, fertig. Egal wie lange die Wette läuft. Das ist ein massiver Vorteil. Bei einer Bankroll von 2.000 Euro für die Saison macht das mehrere hundert Euro Unterschied.
Rechnen wir mal konkret: Du wettest die ganze Saison über mit jeweils zwanzig Euro pro Spieltag. 34 Spieltage mal zwanzig Euro macht 680 Euro Gesamteinsatz. Davon gehen 34 Euro als Wettsteuer verloren. Bei einer Langzeitwette im August mit 680 Euro Einsatz zahlst du nur einmal 34 Euro Steuer. Gleiches Ergebnis, aber psychologisch macht es einen Unterschied.
Der zweite große Vorteil sind die Quoten. Buchmacher sind bei Langzeitwetten vorsichtiger. Sie wissen nicht, welcher Spieler sich verletzt, welcher Trainer gefeuert wird, welches Team plötzlich überrascht. Diese Unsicherheit schlägt sich in höheren Quoten nieder.
Nehmen wir Stuttgart als Beispiel. Vor der Saison 2023/24 lag die Quote für Stuttgart wird Vizemeister bei etwa 25,00. Vollkommen absurd hoch für ein Team, das zwei Jahre vorher noch in der zweiten Liga gespielt hatte. Aber die Buchmacher sahen nur die Vergangenheit, nicht das Potential. Stuttgart wurde tatsächlich Zweiter. Wer im August gewettet hatte, machte das Geschäft seines Lebens.
Der dritte Vorteil: Hedge-Möglichkeiten. Das ist für Fortgeschrittene, aber extrem effektiv. Stell dir vor, du setzt im August 100 Euro auf Leipzig wird Meister bei Quote 8,00. Im März steht Leipzig tatsächlich an der Tabellenspitze. Die Quote für Bayern wird doch noch Meister liegt bei 3,50. Jetzt kannst du 200 Euro auf Bayern setzen. Egal wer gewinnt, du machst Profit. Das nennt man Hedging und es funktioniert nur bei Langzeitwetten.
Der vierte Vorteil ist psychologisch: Langzeitwetten zwingen dich zu Geduld. Bei normalen Wetten kann man jeden Tag zwanzig neue Tipps platzieren. Das führt oft zu impulsiven Entscheidungen. Bei Langzeitwetten setzt du einmal im August und dann wartest du. Keine täglichen Versuchungen, keine emotionalen Kurzschluss-Wetten.
Aber es gibt auch Nachteile. Der offensichtlichste: Dein Geld liegt fest. Für zehn Monate. Wenn du im September pleite bist und die Miete zahlen musst, hilft dir deine Meister-Wette auf Leipzig nichts. Das Geld ist gebunden bis Mai. Deshalb sollte man für Langzeitwetten nur Geld nutzen, das man wirklich nicht braucht.
Ein weiterer Nachteil: Die Inflation. 500 Euro im August sind real weniger wert als 500 Euro im Mai. Bei zwei Prozent Inflation verlierst du etwa zehn Euro an Kaufkraft. Nicht die Welt, aber bei großen Summen spürbar.
Meister-Wetten und der ewige Bayern-Faktor

Reden wir über den Elefanten im Raum: Bayern München. Die haben zwischen 2013 und 2023 elfmal in Folge die Meisterschaft gewonnen. Elf Jahre Dominanz. Für Wetter bedeutet das: Die Quote für Bayern wird Meister ist immer mickrig.
Diese Saison 2025/26 liegt Bayern bei Quote 1,33. Das bedeutet: Aus hundert Euro Einsatz werden 133 Euro. 33 Euro Gewinn für zehn Monate warten. Das ist weniger Rendite als ein beschissenes Tagesgeldkonto. Wo ist da der Spaß?
Die Antwort ist: Es gibt keinen. Auf Bayern-Meisterschaft zu wetten ist langweilig und unprofitabel. Selbst wenn man sich zu 80 Prozent sicher ist, dass Bayern gewinnt – bei Quote 1,33 ist das mathematisch ein schlechtes Geschäft. Die faire Quote für 80 Prozent Wahrscheinlichkeit wäre 1,25. Man gibt also Value ab statt welchen zu bekommen.
Aber genau diese Bayern-Dominanz öffnet Türen für andere Wetten. Denn die Buchmacher preisen Bayern so stark ein, dass alle anderen Teams überbewerte Quoten bekommen. Leverkusen bei 11,00? Dortmund bei 11,00? Das sind Quoten, die Value haben könnten.
Schauen wir uns die Saison 2025/26 genauer an. Bayern hat Vincent Kompany als Trainer, der in seiner ersten Saison sensationell Meister wurde. Sie haben Luis Díaz verpflichtet, Harry Kane jagt den Torrekord. Die sind Favorit mit Ansage. Aber sind sie wirklich unschlagbar?
Leverkusen hat einen kompletten Umbruch hinter sich. Erik ten Hag ist neuer Trainer, Wirtz, Tah und Frimpong sind weg. Auf dem Papier ein Desaster. Aber ten Hag ist ein Trainer, der aus Nichts Gold machen kann. Bei Ajax hat er mit Kindern die Champions League aufgemischt. Bei Quote 11,00 ist das ein Value-Bet. Nicht weil Leverkusen wahrscheinlich Meister wird, sondern weil die Wahrscheinlichkeit höher ist als neun Prozent.
Dortmund unter Niko Kovač ist interessant. Kovač ist kein Meister-Trainer, das wissen wir. Aber Dortmund hat einen starken Kader und – endlich – etwas Stabilität. Bei Quote 11,00 würde ich nicht wetten. Aber wenn die Quote im Saisonverlauf steigt, weil Dortmund schlecht startet, könnte sich eine Gelegenheit bieten.
Der absolute Darkhouse ist Stuttgart bei Quote 35,00. Die waren letzte Saison Vizemeister. Ja, sie haben Spieler verloren. Aber Sebastian Hoeneß ist immer noch da und der Mann ist ein taktisches Genie. Zwanzig Euro auf Stuttgart bei 35,00? Das ist eine Wette, die ich aus reinem Bauchgefühl machen würde. Wenn es klappt, feiere ich ein Jahr lang. Wenn nicht, habe ich zwanzig Euro in Nervenkitzel investiert.
Top-Vier-Wetten sind unterschätzt

Hier kommt ein Geheimtipp, den die wenigsten auf dem Schirm haben: Top-Vier-Wetten sind oft profitabler als Meister-Wetten. Warum? Weil vier Plätze bedeuten mehr Möglichkeiten. Mehr Möglichkeiten bedeuten höhere Erfolgswahrscheinlichkeit. Höhere Erfolgswahrscheinlichkeit bei ordentlichen Quoten ist die Definition von Value.
Bayern und Leverkusen sind für die Top vier so gut wie gesetzt. Langweilig, ich weiß. Aber die echte Action liegt bei Platz drei und vier. Da kämpfen Leipzig, Dortmund, Stuttgart, Frankfurt, vielleicht sogar Freiburg. Das ist ein offenes Rennen.
Leipzig Top vier bei Quote 1,80 ist für mich ein No-Brainer. Die haben Red-Bull-Millionen, einen top Kader und – wichtig – keine Belastung durch internationale Wettbewerbe nach einer enttäuschenden letzten Saison. Sie können sich voll auf die Bundesliga konzentrieren. Bei Quote 1,80 setze ich ohne nachzudenken.
Frankfurt Top vier bei Quote 4,50 ist mein persönlicher Favorit. Die haben einen eingespielten Kader, keinen Europapokal-Stress und mit Dino Toppmöller einen Trainer, der das Team versteht. Außerdem haben sie Omar Marmoush, eine absolute Tor-Maschine. Wenn der fit bleibt, schießt Frankfurt sich in die Top vier.
Stuttgart Top vier bei Quote 3,20 ist interessant. Klar, sie haben Spieler verloren. Aber Hoeneß ist ein Taktik-Fuchs. Er wird Lösungen finden. Außerdem haben sie Chris Führich, der letzte Saison zehn Tore vorbereitet hat. Der Junge ist unterschätzt. Und unterschätzte Spieler bedeuten unterschätzte Teams bedeuten Value.
Freiburg Top vier bei Quote 8,00 ist meine Außenseiter-Wette. Christian Streich ist endlich weg, Julian Schuster ist da. Der Junge ist 39 und hat Hunger. Freiburg spielt immer solide, immer kompakt. Sie gewinnen nicht spektakulär, aber sie verlieren auch nicht oft. Über eine ganze Saison sammeln sie Punkte. Bei Quote 8,00 ist das eine Wette wert.
Abstiegswetten sind brutaler als man denkt
Jetzt wird es düster. Abstiegswetten sind emotional schwierig. Du wettest darauf, dass ein Team scheitert. Dass Spieler ihre Jobs verlieren. Dass Fans weinen. Aber hey, wir sind hier um Geld zu verdienen, nicht um Freunde zu machen.
Die Abstiegskandidaten 2025/26 sind relativ klar. Kiel, Bochum und St. Pauli. Alle drei sind Aufsteiger oder Dauerkandidaten. Die Quoten liegen zwischen 1,80 und 3,50. Das Problem: Diese Wetten sind langweilig. Zu offensichtlich. Kein Value.
Interessanter sind die Teams, die niemand auf der Rechnung hat. Mönchengladbach bei Quote 12,00 zum Beispiel. Die haben letzte Saison nur knapp den Klassenerhalt geschafft. Sie haben einen neuen Trainer, der noch nie in der Bundesliga gearbeitet hat. Wenn es schief läuft, und bei Gladbach läuft es oft schief, sind sie plötzlich mittendrin im Abstiegskampf.
Augsburg bei Quote 8,00 ist auch interessant. Die haben gefühlt jede Saison den gleichen Kader, den gleichen Trainer, die gleiche Strategie. Irgendwann geht auch dem besten System die Luft aus. Wenn Augsburg zur Winterpause auf Platz 16 steht, explodiert die Panik. Und Panik führt zu Fehlentscheidungen führt zu Abstieg.
Mainz bei Quote 15,00 ist meine Dunkelwette. Die haben zehn Jahre lang mit Minimalaufwand die Klasse gehalten. Aber irgendwann ist auch das beste Glück aufgebraucht. Wenn drei Stammspieler sich verletzen, wenn der Trainer die Mannschaft verliert, wenn zwei, drei Spiele unglücklich verloren gehen – dann kann es ganz schnell gehen. Bei Quote 15,00 setze ich zehn Euro. Wenn es klappt, habe ich 150 Euro. Wenn nicht, habe ich zehn Euro in Spannung investiert.
Exotische Wetten für Abenteurer
Jetzt wird es wild. Torschützenkönig, Trainer-Rauswurf, Durchbruchspieler – Wetten für Leute, die es interessant mögen. Diese Wetten sind nicht für jeden. Sie erfordern Insiderwissen, Intuition und eine gehörige Portion Glück. Aber wenn sie aufgehen, sind sie grandios.
Torschützenkönig ist der Klassiker. Harry Kane bei Quote 2,50 ist zu offensichtlich. Der Mann ist eine Maschine. Aber Value ist das nicht. Interessanter ist Victor Boniface bei Leverkusen, Quote 12,00. Der Nigerianer ist schnell, torgefährlich und spielt in einem Team, das Chancen kreiert. Wenn ten Hag ihn ins System integriert, schießt er zwanzig Tore.
Omar Marmoush bei Frankfurt, Quote 18,00. Der Ägypter hat letzte Saison elf Tore geschossen, in einem durchschnittlichen Frankfurt-Team. Wenn er diese Quote hält oder steigert, ist er im Rennen. Bei Quote 18,00 ist das eine Außenseiterwette, die ich machen würde.
Serhou Guirassy bei Dortmund, Quote 8,00. Der Mann hat bei Stuttgart 28 Tore geschossen. Achtundzwanzig! Jetzt ist er bei Dortmund und soll das gleiche tun. Wird schwierig, weil Dortmund nicht so chancenintensiv spielt wie Stuttgart. Aber unmöglich ist es nicht. Bei Quote 8,00 setze ich fünfzig Euro.
Trainer-Rauswurf-Wetten sind moralisch fragwürdig, aber profitabel. Man wettet darauf, dass ein Trainer gefeuert wird. Das ist zynisch, aber es ist Realität. In der Bundesliga werden jede Saison fünf bis sieben Trainer entlassen. Wenn man die richtigen identifiziert, ist das leicht verdientes Geld.
Mein Favorit: Erik ten Hag bei Leverkusen. Der Mann ist brillant, aber auch schwierig. Wenn es nicht sofort läuft, wird er nervös. Wenn die Spieler nicht sofort verstehen, was er will, wird er ungeduldig. Leverkusen ist kein Verein mit unendlicher Geduld. Wenn sie nach zehn Spieltagen auf Platz acht stehen, fliegt er.
Zweiter Kandidat: Steffen Baumgart, wenn er irgendwo anfängt. Der Mann ist Feuer und Flamme, aber er brennt schnell aus. Seine Mannschaften starten immer stark und brechen dann ein. Wenn er zur Winterpause im Abstiegskampf steckt, ist er Geschichte.
Dritter Kandidat: Jeder Trainer bei Köln. Egal wer. Köln und Trainer sind wie Tinder-Dates. Es hält nie lange. Die Fans sind ungeduldig, der Vorstand ist nervös, die Erwartungen sind unrealistisch. Wenn der Trainer bis Weihnachten durchhält, ist es ein Wunder.
Rookie of the Year gibt es offiziell nicht als Wette, aber man kann auf Durchbruch-Spieler wetten. Mathys Tel bei Bayern ist mein Favorit. Der Junge ist 19, schnell wie der Wind, technisch versiert. Wenn Kompany ihm Spielzeit gibt – und das ist ein großes Wenn – explodiert der.
Paul Wanner, aktuell von Bayern an Heidenheim ausgeliehen, ist auch interessant. Der könnte der nächste deutsche Superstar werden. Besser als Musiala, wenn man den Trainern glaubt. Bei Heidenheim bekommt er Spielzeit und Vertrauen. Wenn er eine Saison wie Wirtz vor zwei Jahren hinlegt, ist er unbezahlbar.
Julien Duranville bei Dortmund ist das größte Talent, das keiner kennt. Der Belgier ist 18, verletzungsanfällig, aber wenn er fit ist, ist er magisch. Dortmund hat ihn für 15 Millionen gekauft, das tut man nicht für Spaß. Wenn er zwanzig Spiele macht, schießt er zehn Tore. Markiert meine Worte.
Timing ist bei Langzeitwetten alles

Die meisten Leute setzen ihre Langzeitwetten im August, direkt vor Saisonstart. Das ist der schlechteste Zeitpunkt. Warum? Weil alle anderen auch dann wetten. Der Markt ist überfüllt, die Quoten sind am niedrigsten.
Der beste Zeitpunkt für Langzeitwetten ist Ende Juni, Anfang Juli. Die Saison ist vorbei, die nächste Saison ist weit weg. Die Buchmacher sind unsicher, die Quoten sind hoch. Ich habe meine Leverkusen-Wette Ende Juni 2023 platziert. Die Quote war 15,00. Zwei Wochen später, nach dem Saisonstart, war sie auf 12,00 gefallen.
Der zweitbeste Zeitpunkt ist nach Spieltag fünf. Die ersten fünf Spiele zeigen erste Trends. Welches Team überrascht? Welches Team enttäuscht? Aber fünf Spiele sind zu wenig für sichere Schlüsse. Die Buchmacher passen die Quoten an, aber nicht drastisch. Hier kann man Value finden.
Beispiel: Nach fünf Spieltagen steht ein Favorit auf Platz acht. Alle denken: Krise. Die Quote steigt. Aber vielleicht hatten sie einfach ein schweres Programm. Bayern, Leipzig, Dortmund in den ersten fünf Spielen. Klar steht man dann auf Platz acht. Aber die Qualität ist trotzdem da. Die gestiegene Quote ist eine Gelegenheit.
Die Winterpause ist auch interessant. Teams machen Transfers, Trainer werden gefeuert, alles ändert sich. Die Buchmacher sind wieder unsicher. Neue Quoten werden aufgelegt. Wenn ein Team zur Winterpause drei Punkte vor einem Abstiegsplatz steht, die Quote für Abstieg ist niedrig. Aber dann verpflichten sie einen Stürmer für zehn Millionen. Plötzlich sieht alles anders aus.
Der schlechteste Zeitpunkt ist nach Spieltag zwanzig. Da ist die Saison halb vorbei, die Trends sind klar, die Quoten sind angepasst. Kein Value mehr zu finden. Wer dann noch auf Bayern-Meisterschaft bei Quote 1,10 wettet, hat den Sinn von Wetten nicht verstanden.
Hedging und wie man immer gewinnt

Hedging ist die fortgeschrittenste Technik bei Langzeitwetten. Die Idee ist simpel: Du sicherst deine ursprüngliche Wette durch eine Gegenwette ab. Klingt kompliziert, ist es aber nicht.
Ein konkretes Beispiel aus meiner Erfahrung: Ich hatte im August hundert Euro auf Leipzig wird Meister bei Quote 8,00 gesetzt. Im März stand Leipzig tatsächlich an der Tabellenspitze, fünf Punkte vor Bayern. Meine potentielle Auszahlung: 800 Euro.
Jetzt hatte ich zwei Optionen. Erstens: Durchhalten und hoffen. Wenn Leipzig Meister wird, bekomme ich 800 Euro. Wenn nicht, verliere ich meine hundert Euro. Zweitens: Hedgen.
Die Quote für Bayern wird doch noch Meister lag im März bei 3,50. Ich setzte 150 Euro auf Bayern. Jetzt hatte ich zwei Szenarien: Wenn Leipzig Meister wird, bekomme ich 800 Euro für die erste Wette, verliere aber 150 Euro für die zweite. Nettogewinn: 550 Euro. Wenn Bayern Meister wird, verliere ich hundert Euro bei der ersten Wette, gewinne aber 525 Euro bei der zweiten. Nettogewinn: 425 Euro.
Egal wer Meister wurde, ich gewann mindestens 425 Euro. Das ist Hedging. Du opferst maximalen Gewinn für garantierten Gewinn. Für risikoaverse Wetter ist das perfekt. Für Glücksspieler ist es langweilig.
Wichtig beim Hedging: Die Mathematik muss stimmen. Man kann auch falsch hedgen und am Ende bei beiden Wetten verlieren. Die Regel ist: Die zweite Wette muss so groß sein, dass sie bei Eintreffen die erste Wette ausgleicht. Aber nicht so groß, dass du bei Erfolg der ersten Wette Verlust machst.
Hedging funktioniert auch bei Top-Vier-Wetten. Du setzt im August auf Frankfurt Top vier bei Quote 4,50. Im März steht Frankfurt auf Platz drei. Jetzt kannst du auf Frankfurt verpasst Top vier bei Quote 3,00 wetten. Egal was passiert, du gewinnst. Das ist wie Magie, nur mit Mathematik.
Die Wahrheit über Langzeitwetten
Nach zehn Jahren Erfahrung mit Langzeitwetten habe ich gelernt: Sie sind profitabler als Spieltagswetten, aber nur wenn man diszipliniert ist. Man braucht Geduld. Sehr viel Geduld. Zehn Monate sind eine lange Zeit. In diesen zehn Monaten wird man zweifeln. Man wird bereuen. Man wird sich fragen: Warum habe ich nicht auf Bayern gewettet wie alle anderen?
Aber genau diese Geduld ist der Schlüssel. Wer bei Langzeitwetten erfolgreich sein will, muss aushalten können. Aushalten, dass die Wette monatelang aussichtslos aussieht. Aushalten, dass alle anderen einen für verrückt erklären. Aushalten, dass man sein Geld nicht zurückbekommt, wenn man es braucht.
Meine Bilanz nach zehn Jahren Langzeitwetten: Von zwanzig großen Wetten habe ich sechs gewonnen, vierzehn verloren. Hört sich schlecht an? Ist es nicht. Denn die sechs gewonnenen Wetten hatten Durchschnittsquoten von 8,00. Die vierzehn verlorenen Wetten hatten Durchschnittseinsätze von 50 Euro. Gesamtverlust: 700 Euro. Gesamtgewinn: 2.400 Euro. Nettogewinn: 1.700 Euro.
Das ist das Geheimnis von Langzeitwetten: Man braucht keine hohe Trefferquote. Man braucht hohe Quoten. Sechs von zwanzig ist eine Trefferquote von 30 Prozent. Miserabel für normale Wetten. Aber bei Durchschnittsquoten von 8,00 ist es profitabel.
Langzeitwetten sind nichts für Leute, die sofortige Befriedigung brauchen. Sie sind nichts für Ungeduldige. Sie sind nichts für Leute, die ihr Wettkapital flexibel brauchen. Aber für Leute, die zehn Monate Nervenkitzel wollen, für Leute, die Value über Quick Wins stellen, für Leute, die an verrückte Ideen glauben – für die sind Langzeitwetten perfekt.
Und am Ende ist es das wert. Nicht nur wegen des Geldes. Sondern wegen der Geschichte, die man erzählen kann. Ich werde meinen Enkeln von der Leverkusen-Wette erzählen. Von dem Tag im August, an dem ich 500 Euro auf einen Außenseiter setzte. Von den zehn Monaten Hoffen und Bangen. Und von dem Moment im Mai, als Leverkusen tatsächlich Meister wurde und ich 7.500 Euro kassierte. Das ist mehr wert als jeder normale Wett-Gewinn.